Das Projekt im Überblick
Im Dezember 2025 fand im KWA e.V. ein fünftägiges Demokratie-Fitness-Training statt. Zwei Gruppen mit je 8 bis 10 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 16 Jahren mit internationaler Familiengeschichte trainierten gemeinsam ihre demokratischen Kompetenzen – spielerisch, interaktiv und auf Augenhöhe. Grundlage war ein Trainingsformat aus Dänemark, das Demokratie nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Alltagspraxis begreift.
Was sind Demokratie-Muskeln?
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie will geübt werden. Das Demokratie-Fitness-Training stärkt zehn sogenannte „Demokratie-Muskeln“: Fähigkeiten wie verbales Selbstvertrauen, Mut, Empathie, Neugier und aktives Zuhören, die für ein demokratisches Miteinander unverzichtbar sind. Jede Trainingseinheit dauerte 90 bis 120 Minuten und verband spielerische Übungen mit Reflexion und echtem Austausch.
Starke Stimme und Mut – die eigene Meinung sagen
Im Training zur Starken Stimme lernten die Kinder, ihre Gedanken klar und selbstbewusst vor der Gruppe auszusprechen – von einfachen Themen wie „Was ich gut kann“ bis hin zu echten Alltagsfragen. Viele berichteten, dass es im Schulalltag manchmal schwerfällt, die eigene Meinung zu sagen. Der Mut-Muskel wurde mit lebhaften Debatten trainiert: Handyverbote an Schulen, rauchfreie Innenstädte – die Jugendlichen brachten sich ein und wurden dabei spürbar mutiger. Auf Wunsch der Gruppe wurde dieser Muskel sogar wiederholt.
Dissens und Empathie – Unterschiede aushalten und verstehen
Beim Dissens-Training übten die Teilnehmenden, unterschiedliche Standpunkte zu hören, zu begründen und auch dann stehenzulassen, wenn man selbst anderer Meinung ist. Die Diskussionen verliefen lebendig, aber respektvoll – und manche ließen sich sogar vom Gegenüber überzeugen. Im Empathie-Modul schlüpften die Jugendlichen in Rollenspiele und Erzählrunden in die Perspektive anderer: Was fühlt das andere Kind? Was verbindet uns? Dabei entdeckten viele überraschend viele Gemeinsamkeiten.
Neugier und aktives Zuhören – Demokratie im Alltag
Der Neugier-Muskel machte den Teilnehmenden besonders viel Freude: Wortspiele, spontane Fragen, Offenheit für das Unbekannte. Auch dieser Muskel wurde auf Wunsch der Gruppe wiederholt. Beim aktiven Zuhören übten die Kinder, wirklich hinzuhören – konzentriert, vorurteilsfrei, mit echtem Interesse am Gegenüber. Schnell merkten sie: Gutes Zuhören verändert Gespräche. Und gute Gespräche verändern etwas.
Was dieses Projekt bewirkt hat
Am Ende jeder Einheit sprach die Gruppe gemeinsam darüber, was sie erlebt und gelernt hatte. Viele Kinder berichteten, dass ihnen das Sprechen vor der Gruppe anfangs schwergefallen sei – und wie viel leichter es mit jeder Übung wurde. Sie erkannten: Demokratische Fähigkeiten sind keine abstrakten Konzepte, sondern etwas, das sie jeden Tag in der Schule, im Verein und zu Hause einsetzen können. Das Projekt zeigte eindrücklich, dass Demokratiebildung dann wirkt, wenn sie erlebbar, spielerisch und nah an der Lebenswelt junger Menschen ist.